Die Löwe des Höhlen
Joghys und Robs überflüssiges Filmgefasel

Versprich nie was du nicht halten kannst! – Oder Auch „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“

Was der Trailer zum neuen David Cronenberg-Film „verspricht“, ist ein erstklassiger Mafia-Thriller, der lauter finstere Gestalten an finsteren Orten mit finsteren Geheimnissen auf die Leinwand bringt. Da mein Verstand ab da sowieso aussetzt und mir sagt, „Ey dooo, guck den!“, hab ich mir den heute mal im Kino gegönnt, um zu sehen was an diesen tödlichen Versprechen wirklich dran ist…

Der Film beginnt mit einer Szene, die direkt aus Streifen wie „Der Pate“ stammen könnte. Ein Mann wird beim Friseur mit einer Rasierklinge zur Strecke gebracht. Ein typischer Opener für so einen Film, man weiß sofort, was einen in den kommenden 100 Minuten erwartet. Die Länge des Films ist nebenbei perfekt ausbalanciert.

Anschließend lernt man die halb-russische Hebamme Anna Chitrowa kennen, die das Kind einer jungen Russin zur Welt bringt. Die Mutter stirbt noch vor der Geburt. Sie hatte ein Tagebuch bei sich, dass Anna, die selber ein Kind verloren hatte, zum Restaurant von Semjon, einem russischen Mafia-Familienoberhaupt bringt – und damit sich selbst, ihre Familie und das frisch geborene Mädchen in Gefahr bringt.

Der wichtigste Charakter des Films ist jedoch, aus mehreren Gründen, Nikolai, der Fahrer der Familie, den Semjon mehr respektiert als seinen eigenen Sohn, Kirill.

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„Tödliche Versprechen“ ist auf keinen Fall ein 08/15 Gangsterflick. Man merkt an jeder Ecke, dass hier Profis am Werk waren. David Cronenberg, hat eine sehr unauffällige Art Filme zu machen. Gerade das erhöht den Realismus und geht unter die Haut.

Neben „Tödliche Versprechen“ habe ich bisher nur „A History Of Violence“ von Cronenberg gesehen und muss sagen, dass der Film mich schwer enttäuscht hat. Im Nachhinein gesehen ähneln sich beide Filme in ihrer subtilen, unaufgeregten Art Spannung zu erzeugen. Bei „Tödliche Versprechen“ hatte diese Methode jedoch Erfolg, bis zu einem bestimmten Punkt zumindest.

Der Film lebt jedoch nicht von seiner Spannung, sondern von den Charakteren, allen voran Viggo Mortensen (der schon bei „A History Of Violence“ die Hauptrolle spielte!) in der Rolle des Fahrers Nikolai. Man merkt dem Amerikaner kaum an, dass er keinerlei russisches Blut in sich trägt. Die Filmwelt kann froh sein, dass er durch die Rolle des Aragon in „Der Herr der Ringe“ bekannt wurde und nun solch anspruchsvolle Rollen abbekommt. Man sieht eine sehr abgeklärte und unglaublich glaubwürdige Vorstellung des 49-jährigen.

Doch auch der Franzose Vincent Cassel überrascht mit einer sehr authentischen Darstellung des gebrochenen Sohnes, der nie zum Familienoberhaupt geboren wurde und den Druck des eingen Blutes in Alkohol ertränkt. Er erinnert in dieser Rolle schwer an den jungen Fredo aus „Der Pate“.

Die Oscar Nominees Armin Müller-Stahl (Semjon) und Naomi Watts (Anna) liefern eine routinierte, jedoch nicht herausragende Leistung ab, was jedoch auch an ihren Rollen liegen könnte. Sie fallen einfach nicht groß auf, sind jedoch keine Nebenrollen. Müller-Stahl gibt das patriarchische Familienoberhaupt, das cool und abgeklärt alle Fäden in der Hand hält, als hätte er nie etwas anderes getan. Man könnte meinen, er würde jede Sekunde einschlafen. Naomi Watts hingegen spielt die vom Schicksal gebeultete halb-russische Hebamme ohne viele Sperenzchen einfach so herunter, zeigt Gefühle, wo man sie erwartet und weiter eigentlich nichts.

Dass Charaktere alleine keine Spannung erzeugen, sei hiermit widerlegt, denn die Entwicklung eines jeden einzelnen hält einen bis zum spannenden, aber doch kurzen und im wahrsten Sinne des Wortes schmerzlosen Ende im Bann.

Es gibt im Film jedoch eine 08/15-Wendung in der Handlung und der Entwicklung des Viggo Mortensen-Charakters, die immer einen faden Beigeschmack lassen wird. Man könnte meinen Cronenberg hätte zu viel „The Departed“ geschaut. Wer sich bei Wikipedia eingelesen, bzw den Film gesehen hat, wird verstehen, was ich meine.

Er hat viel versprochen, er hat viel gehalten, man kann ihm nicht wirklich vorwerfen, irgendein Versprechen nicht erfüllt zu haben, zu den Besten seines Genres fehlt „Tödliche Versprechen“ jedoch noch ein Quentchen mehr Originalität.

2 Responses to “Versprich nie was du nicht halten kannst! – Oder Auch „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“”

  1. Test! Lebt der Patient noch?


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